Was ist mit Lewis Hamilton?

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Hamilton#/media/Datei:Lewis_Hamilton_2017_Malaysia.jpg

Lewis Hamilton ist 2021 nicht Weltmeister geworden. Das alleine ist in der Hybrid-Ära der Formel 1 schon eine echte Sensation. Im letzten Rennen der Saison kam es zu einigen Zwischenfällen, die allesamt für sich genau das waren, was den Sport interessant macht: Thrill, Kick, Unwägbarkeiten – das Salz in der Suppe.
Nach dem Rennen gab sich Hamilton ganz großer Sportsmann, gratulierte Max Verstappen und alles schien gut. Das währte leider nur sehr kurz, denn Mercedes kündigte Protest gegen das Ergebnis an. Darüber ist schon sehr viel geschrieben worden, deshalb belasse ich es dabei. Nur so viel: Der Protest hatte keinen Erfolg.

Auf der Gala der FIA fehlte dann ausgerechnet Lewis Hamilton, obwohl seine Teilnahme laut Reglement verpflichtend war und sowieso aus Respekt gegenüber Weltmeister Max Verstappen geboten gewesen wäre. Kurz darauf löschte Hamilton dann auf seinem reichweitenstarken Instagram Account sämtliche Verbindungen, auch die zu Mercedes und los ging es mit dem großen Spekulieren: Will Lewis Hamilton etwa aufhören?

In dieser Woche spitzte sich dann die Lage zu, denn die FIA hatte angekündigt, eine informelle Untersuchung der Vorfälle durchzuführen. Es sollte nicht mehr um die Frage gehen, ob man Verstappen den Titel aberkennen sollte. Vielmehr ging es um das Verhalten von Rennleiter Michael Masi und seines Stabs. Schon früh geisterte ein Gerücht durch die Welt, das von einem Deal zwichen Mercedes und der FIA handelte: Michael Masi und der technische Beigeordnete sollten angeblich gefeuert werden. Zwischen den Zeilen stand dann geschrieben, dass Lewis Hamilton mit dieser Lösung einverstanden sei (vorher wurde kolportiert, er hätte das Vertrauen in die FIA verloren). MGP Teamchef Toto Wolff ließ verlautbaren, dass der Rücktritt von Hamilton ein Armutszeugnis für die ganze Formel 1 wäre. BAM!

Die BBC wollte erfahren haben, dass Lewis Hamilton seine Entscheidung über einen Verbleib in der Königsklasse vom Ergebnis der Untersuchung abhängig machen wollte. Zu diesem Zeitpunkt ging jedoch alle Welt davon aus, dass die FIA bereits am vergangenen Freitag zu einem Ergebnis kommen würde. Somit wäre denn noch genug zeitlicher Abstand für alle Optionen gewesen. Der Druck lastete nun allein auf den Verantwortlichen der FIA, während Hamilton und Mercedes sich genüsslich zurücklehnen konnten.

Die FIA ist jedoch definitiv kein Amateurclub. Anstelle sich am Nasenring vorführen zu lassen, drehte der Verband den Spieß einfach um. Anstelle bereits frühzeitig ein Ergebnis der Untersuchung zu präsentieren, vertagte man die Entscheidung auf den achtzehnten März – also genau zwei Tage vor dem ersten Rennen der neuen Saison in Bahrain!
Auf diese Weise minimierte man den Spielraum von Hamilton, denn ein Ausstieg so kurz vor der neuen Saison dürfte völlig ausgeschlossen sein…

Leider verdichten sich die Anzeichen für einen Rausschmiss von Michael Masi (Stand 15.01.2021), so soll sein Name angeblich aus den entscheidenden Stellen in einem onlineverfügbaren Organigramm der FIA bereits getilgt worden sein. Ich würde das aus zweierlei Gründen bedauern: Masi hat eine grandiose Leistung gezeigt. Zahlreiche Journalisten haben bestätigt, dass ähnliche “Verhandlungen” auch mit Masis Vorgänger Charlie Whiting an der Tagesordnung waren. Was im letzten Rennen passiert ist, war sicherlich in einer Grauzone, aber kein “Raub”. Hätte Masi sich anders entschieden, wären die gleichen Vorwürfe (mit umgekehrten Vorzeichen) aus der Richtung von Red Bull gekommen. Sport lässt sich nicht durchreglementieren, damit hat gerade die FIA und die Formel 1 leidliche Erfahrungen gesammelt. Genau so werte ich auch seinen Ausspruch “It`s called a motor-race!” Und genau das will ich als Fan sehen, keine Butterfahrt und keine Anwälte in Rennwagen!

Ich würde mir wünschen, dass Lewis Hamilton aus der Formel 1 aussteigt. Ich bescheinige ihm durchaus ein außergewöhnlich großes Talent, was ja auch durch beeindruckende sieben Weltmeistertitel dokumentiert wird. Mich nervt der gute Lewis aber nur noch: Das ständige Geheule um seine Reifen, wenn etwas nicht nach seinem Willen geht oder wenn er sich über andere Fahrer beschwert. Neben seinen sportlichen Erfolgen verleihe ich ihm auch den Titel der unangefochteten Dramaqueen. Aus irgendeinem Grund wurde Hamilton aber zum Schutzheiligen der Formel 1 ernannt, der niemals unfair fährt und immer, wirklich immer regelkonform agiert. An dieser Stelle möchte ich an Fernando Alonso erinnern, der die These der “British Bias” in der Formel 1 populär gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass Hamilton ein britischer Fahrer ist (und Verstappen nicht). MGP ist auf dem Papier ein deutsches Team (eines deutschen Automobilherstellers), das aber seinen Sitz in Brackley hat. Das sollten genug Argumente für die einflussreiche, britische Motorsportpresse sein…

An dieser Stelle möchte ich mit einer Prognose enden: Lewis Hamilton wird auch 2022 noch für Mercedes Rennen fahren. Vielleicht holt er sogar seinen achten Weltmeistertitel, letztlich spielt es keine Rolle. Ich glaube aber viel eher, dass die Reglementänderungen für eine Überraschung sorgen könnten. Es gab ja immer Teams (wie besonders auch MGP in den letzten Jahren), die auf “magische” Weise dichter am neuen Reglement drin waren als andere Mitbewerber. Ferrari fuhr in den letzten Jahren drastisch hinterher, was bei diesem Team ein ganz besonderes Geschmäckle hat. Fiat wird sich das nicht ewig ansehen, so viel dürfte sicher sein. Ich gehe davon aus, dass man den “Zauberstab” vielleicht dieses Jahr in Maranello am effektivsten geschwungen hat – es will doch sicher niemand, dass eines der Gründungsteams aus der Formel 1 verschwindet (auch wenn es kein britisches ist;-)).

Was das mit Lewis Hamilton zu tun hat? Ich gehe davon aus, dass er nicht am Zenit seiner Laufbahn ausscheiden wird, wenn er jetzt weiterfährt. Weiter oben schrieb ich, dass Weltmeistertitel eigentlich egal sind – dazu stehe ich auch jetzt noch. Aber kann sich Lewis Hamilton noch motivieren, wenn er zu Positionen im Mittelfeld verdammt ist?


Stefan Hensch ist Autor. Er schreibt Pulp, Heftromane und was ihm sonst in den Sinn kommt. Seine Leidenschaften sind Kaffee und Formel 1. Wenn Sie keine Artikel verpassen wollen, senden Sie eine E-Mail zum Abonnement eines Newsletters an: info (@) stefanhensch.de

Mein neuer Maddrax: Das dunkle Herz

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Copyright: Bastei Lübbe



Ich habe es wieder getan: Gerade ist Maddrax 568: Das dunkle Herz im Zeitschriftenhandel erschienen. Für einen Autor ist es etwas Besonderes, wenn eines seiner Manuskripte publiziert wird. Immer steckt jede Menge Herzblut darin. Außerdem versuche ich stets, mir selbst treu zu bleiben und die Geschichte eben auf meine Art zu erzählen.

Meine erster Maddrax war Band 521: Kurs ins Verderben und da war ich ganz schön nervös. Der nun jüngst erschienene Band 568 ist irgendwie auch wieder sehr speziell… Vor kurzem habe ich im Podcast des Maddraxikons gesagt, dass Shadar momentan einer meiner Lieblingscharaktere (Matt und Aruula stehen natürlich über allen anderen) ist. Deshalb hat es mir ganz besonders Spaß gemacht, diesem Herrn mal etwas auf den Pelz zu rücken, vielleicht erklärt das meine besonderes Beziehung zu dieser Geschichte.

Shadar ist meiner Meinung nach ein interessanter Gegenspieler, da er selbst ja erst zum „Obermotz“ herangereift ist. Diese Figur hat seit ihrem ersten Auftritt einfach eine interessante und dramatische Entwicklung gemacht. Dies setzt sich natürlich auch im vorliegenden Band entsprechend fort.
Insgesamt muss ich zugeben, dass ich diesem Zyklus anfangs skeptisch gegenübergestanden habe. Das hat sich aber nach dem fulminaten Auftakt von Oliver Fröhlich sehr schnell geändert, und bei mir als Autor stellte sich wahre Begeisterung für die erzählerischen Möglichkeiten ein. Gerade Shadar hat da Überzeugungsarbeit geleistet und das alleine erklärt ja schon meine besonderes Verhältnis zu ihm ;-).

Während des Schreibens hatte ich dann noch die Möglichkeit, in einen meiner absoluten Lieblingsfilme (aus meiner frühen Jugend) einzutauchen, was eine sehr intensive Schreiberfahrung ermöglicht hat.
In Interviews werden Autoren ja oftmals gefragt, welchen ihrer Romane sie gerne an die Leser empfehlen wollen. Das ist grundsätzlich eine perfide Frage, die man ebenso einem Vater stellen könnte: „Welches ihrer Kinder mögen sie am liebsten?“ Die konsequente Antwort muss natürlich lauten, dass man  jedes Buch/Kind gleich liebt. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich auf „Das dunkle Herz“ ganz besonders stolz bin. Es hat mir einfach irre Spaß gemacht!

#eigenwerbung

Mausbär macht Urlaub in den Bergen

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Ich schreibe hier ja schon eine ganze Zeit, aber von Mausbär habe ich noch nicht berichtet… Der alte Knabe begleitet mich schon eine ganze Weile, eines seiner Abeneuer wurde sogar schon von einem professionellen Schauspieler (Johannes Steck) vertont und innerhalb einer Hörspiel Compilation veröffentlicht (Die spanische Armada).

Um es ganz klar zu sagen: Mausbär ist natürlich eine Figur. Ich habe sie aber nicht erdacht, er hat mich gefunden. Warum? Ich könnte jetzt vom kreativen Prozess erzählen, aber das haben andere Autoren schon zur Genüge getan. Unsere Beziehung hat eine absolut materielle Komponente, denn er existiert tatsächlich (nein, er ist nicht mein Sohn und auch sonst niemand aus meinem engeren Umfeld) und zeitgleich teilt er einige wesentliche Charakterzüge mit mir. Ja, Autoren haben oftmals wirklich einen an der Klatsche, der Hensch sowieso.
Vor einiger Zeit müssen wir schon unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert haben und wir haben uns nie wirklich voneinander entfernt.

In meinem Leben gab es mal eine dunkle Episode, wo ich das Schreiben komplett zu den Akten gelegt hatte: Grund waren Selbstzweifel, ein persönlicher Verlust und der ganz normale übliche Wahnsinn. Mausbär aber blieb 🙂

Mein Sohn ist jetzt in einem Alter, in dem er Hörgeschichten (Hörbücher und Hörspiele) für sich entdeckt hat. Wir lesen ihm natürlich sehr viel vor, aber es macht auch etwas her, wenn er selbstständig Geschichten hören kann – man will ja auch als Kind etwas Selbstbestimmung leben.

Aus dem Grund habe ich angefangen, Mausbär-Geschichten zu vertonen. Natürlich ist das kein Pulp (zumindest nicht originär), aber vielleicht gefällt es Euch ja doch. Die Geschichten werden jeweils eine Dauer von ca. 20 Minuten haben, damit man sie zum Einschlafen hören kann. Viel Spaß!

Mein vierter Termin bei Dr. Morton: Biedermann und Rauschgifhändler

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Copyright: Erber-Verlag, Romantruhe-Verlag

Im vierten Band muss Dr. Morton nicht lange nach einem Gegenspieler suchen, ganz im Gegenteil. Eine unbekannte Kraft hat den guten Doktor ins Visier genommen und setzt ihn gehörig unter Druck. Währenddessen setzt der schräge Mediziner seine Experimente an der bedauernswerten Miss Clandon und Gregory fort, da er große Ziele hat…

Der Roman ist wieder deutlich in der Schreibe der ersten beiden Bände gehalten und lässt den Leser kaum zur Ruhe kommen. Ich sprach ja von „kalter Eleganz“ die mit einem Turbo verdichtet wurde und genau das findet sich hier wieder. Um meine Theorie fortzuführen: Dieser Roman wurde meiner Meinung nach wieder definitiv vom Hauptautor geschrieben.
Trotz seiner persönlichen Fähigkeiten, Grimsby und auch einiger hilfreicher Sonderausstattungen (Helikopter, unterirdische Verstecke…) wirkt Dr. Morton in diesem Roman keinesfalls unbesiegbar. Sogar Grimsby kommt beinahe an seine Grenzen, was dieser Episode fast schon eine Art Hard boiled-Charakter beschert, was sicherlich auch dank des nicht gerade zahnlosen Gegners der Fall ist.

Die Lösung des Falls ist dann überraschend bodenständig, wenn Grimsby mich gelegentlich auch etwas arg an  eine Mischung aus MacGyver und B.A. Baracus erinnert hat. Es war aber nicht „drüber“, so dass ich auch hier ein mega spannendes Abenteuer mit überraschendem Schluss geboten bekam. Darüberhinaus hatte besagter Grimsby einen interessanten Gedankengang. Er fragte sich, was ihn eigentlich von den bösen Buben unterschied, die Dr. Morton bevorzugt für seine Experimente benutzt. Ich war von diesem Element fast schon fasziniert, regt es doch einmal mehr massiv zum Nachdenken in moralischen und philosophischen Kategorien an.
Ich frage mich jedoch, ob der Gegner bereits wirklich besiegt wurde, oder ob der nicht doch noch seine Fangarme ausstrecken wird…

„Torture Porn“ gab es in dieser Episode definitiv nicht, dafür ein wunderbar abwechslungsreiches Abenteuer. Nach den ersten vier Bänden kann ich ganz klar sagen, dass ich das Konzept und die Umsetzung der Serie sehr mag. Sicherlich ist Dr. Morton nichts für jeden Leser, aber gibt es das überhaupt? Literatur die jedem Leser gefällt und die auch von jedem richtig interpretiert wird?  

Mein dritter Termin bei Dr. Morton: Bad in HCL

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Copyright: Anne Erber-Verlag, Romantruhe-Verlag

Das war jetzt schon der dritte Band aus der berühmt berüchtigten Dr. Morton-Reihe. Hier geht es um einen skrupellosen TV-Moderator, der in seinem Magazin schon so einige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens medial gegrillt hat. In seiner letzten Show griff er gar einen Minister medial an, der sich daraufhin sogar das Leben nahm. Das ist natürlich Grund genug, damit sich Dr. Morton und Grimsby diesem Fall widmen.

Die Idee finde ich überraschend frisch, obwohl der Band schon in den Siebzigern erschienen ist. Welche Verantwortung haben Journalisten? Inwieweit sind sie für die möglichen Folgen ihrer Arbeit zu belangen?

In der letzten Rezension sprach ich über „Überraschungen“. Diese erlebte ich auch bei diesem Band, denn der Stil dieser Episode unterscheidet sich drastisch von dem der beiden Vorbände. Die ersten beiden Abenteuer wirkten stilistisch wie von einem Turbomotor komprimiert und verfügten über eine gewisse kalte Eleganz. Dies fand ich im dritten Band nur gelegentlich wieder. Ganz im Gegenteil, an gewissen Stellen wirkte der Roman sogar etwas „umständlich“ erzählt und erinnerte mich streckenweise an den üblichen Heftromanstandard dieser Epoche – nicht ärgerlich, aber für mich doch überraschend. In einigen Passagen blitzte die „kalte Eleganz“ auf, aber eben nur ganz kurz. Deshalb will ich mich festlegen: Nach meinem Empfinden wurde Bad in HCL von einem anderen Autor geschrieben. Da die typische Stilistik stellenweise aber aufblitzt, könnte ich mir vorstellen, dass dieser Roman nach einem Expose erstellt und von dem Autor der ersten beiden Bände überarbeitet wurde. Das ist ein völlig normaler Vorgang und schmälert nicht die Qualität des Romans.

Der dritte Besuch war mir persönlich etwas zu kompliziert (umständlich) aufgebaut, ist aber durchaus spannend zu lesen. Grimsby wird durch zwei Szenen eingehender charakterisiert, was diesen jedoch nicht sympathischer macht – aber das war sicher auch nicht der Sinn davon;-)

„Torture Porn Check“: Nein, in dieser Richtung gibt es auch in diesem Band definitiv nichts zu vermelden. Grimsby lebt seinen sadistischen Momenten aus, was relativ nüchtern erzählt wird. Das ist vielleicht gerade deshalb erschütternd, hat aber wirklich nichts mit den erhobenen Vorwürfen zu tun.

Das Ende versöhnt für dieses etwas „umständlichere“ Abenteuer, denn es kam für mich überraschend und deshalb völlig unerwartet.  Ich sprach von einem komplizierteren Aufbau, der dann vielleicht auch einen logischen Fehler produziert hat (Falsche Uhrzeitenangaben im Hotel). Erfreulicherweise funktioniert der Morton-Kosmos (verschiedene Schauplätze, Personen im Umfeld des Doktors) hervorragend. Ebenso wird die Beziehung zwischen Dr. Morton und Grimsby beleuchtet, die durchaus ambivalenter als erwartet ist. Hat mir gefallen und ich bin gespannt, wie das weitergeht.

Ob ich weitere Termine bei Dr. Morton buchen werde? Selbstredlich, denn diese Reihe ist doch wirklich etwas ganz Besonderes!

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Mein zweiter Termin bei Dr. Morton: Das ist ihr Sarg, Sir

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Dr. Morton 2: Das ist ihr Sarg, Sir

Ich war überrascht, wie viel Resonanz meine kleine Rezension zum ersten Band von Dr. Morten ausgelöst hat. Aus dem Grund habe ich mir gleich auch den zweiten Band der Serie zur Brust genommen. „Torture Porn“ lautete einer der Vorwürfe gegenüber der Serie. An anderer Stelle wurde gar der Protagonist mit dem KZ-Arzt Mengele verglichen. Zu recht?

Der zweite Band hat mich überrascht, sogar gleich mehrfach. Gleich zu Beginn findet eine Unterredung zwischen dem Doktor und Grimsby statt, in der das Schicksal von Miss Clandon thematisiert wird, deren bedauerlicher einziger Fehler lediglich darin bestand, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. In diesem Gespräch wird deutlich, dass sowohl bei dem psychopathischen Grimsby, als auch beim Hyper-Narzissten Morton so etwas wie ein Rest Mitgefühl vorhanden sein könnte. Freilich reicht das nicht, um die arme Frau aus ihren Fittichen zu entlassen, aber „immerhin“…

Band zwei zeigt Dr. Morton dann auch von seiner besten Seite, nämlich als Chirurg, der einem verunglückten Adeligen zur Hilfe eilt und ihm das Leben rettet. Der eigentliche Gegenspieler ist Philipp Gregory, ein junger Mann aus der Londoner Upperclass, dessen Missetaten bisher durch seine Protektion ungesühnt geblieben sind. Außerdem zieht Chefinspektor Spratt seine Kreise immer enger, was Dr. Morton natürlich nicht entgeht.

Eingangs schrieb ich von Überraschungen. Die Zweite davon stellte sich ein, als Grimsby seinen Meister fand. Damit hatte ich nicht gerechnet und auch die Lösung der Situation hat mir durchaus gefallen. Das Ende kam in diesem Band (wieder) viel zu schnell – sprich, ich fand diesen Heftroman wirklich hyperspannend. So wurde z.B. das Eindringen bei Scotland Yard beschrieben, was ich sensationell gut fand. Ich habe ständig darauf gewartet, dass John Sinclair die Bühne betritt…

Zwei Romane von Dr. Morton liegen hinter mir, ich wurde wirklich bestens unterhalten. Der Konflikt um diese Serie lässt sich für mich auf einige wenige Faktoren verdichten:

1. Was darf Kunst, wo sind ihre Grenzen?
2. Darf eine Story einen amoralischen und psychopathischen Protagonisten haben?

In der Rezension zum ersten Band schrieb ich schon über American Psycho, Dexter und Jim Profit. Im Nachhinein ist mir noch Hannibal Lecter aus Schweigen der Lämmer eingefallen. Das alles sind Beispiele für Variationen des gleichen Schemas. Diese Stories funktionieren ebenso effizient, wie es auch Dr. Morton tut.

Im Vorfeld hatte ich mir auch schon so meine Gedanken zu dieser Serie gemacht. Irgendwie musste ich immer an die unsägliche Filmreihe Gesichter des Todes denken, die mich durch meine Jugend verfolgt hat. DAS ist für mich ein Beispiel für perverse Unterhaltung, zumal dort (bewiesenermaßen) echte Tiere gequält wurden. Ebenso musste ich an ein paar Videospiele denken: Manhunt (möglichst brutale Morde verüben), GTA V (Folterszene), Call of Duty 2 (Terroranschlag), Hitman (Spieler ist Killer)  und sogar Commando Libya (Gräueltaten). Außerdem musste ich an die Filmreihen Hostel und Saw denken, die meiner Meinung nach definitiv dem Torture Porn zuzurechnen sind.

Das vernichtende Qualitätsurteil, dass einige Rezensenten über Dr. Morton ausgesprochen haben, kann ich am allerwenigsten nachvollziehen. Stellenweise fand ich beide Bände verflixt gut geschrieben, sozusagen verdichtet auf das Wesentlichste. Auch in dieser Hinsicht gehört Morton zu den vielleicht originärsten, deutschsprachigen Pulpserien. Sollten wir nicht endlich den (typisch deutschen) Form-und-Inhalt-Konflikt dorthin verlagern, wo er hingehört?   

Mir hat dieser Band Spaß gemacht, ich werde weiterlesen und berichten!

Kleiner Funfact: Der Titel von Band 2 ist wohl der einzige „Kritikpunkt“ (wenn man das überhaupt so empfindet). Im ganzen Roman kommt kein einziger Sarg vor. Dafür ist der Untertitel deutlich griffiger und passender: Dr. Mortons unfreiwilliger Gast


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Mein erster Termin bei Dr. Glenn Morton

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Copyright: Erber + Luther, Romantruhe Verlag

Dr. Morton 1: Blaues Blut

Selbst als fleißiger Heftromanleser (und Autor) kann man nicht so viel lesen, wie man eigentlich möchte. Letztlich werden wir alle durch unsere Zeit limitiert. Grundsätzlich ist das irgendwie auch wundervoll, denn so besteht nicht die Gefahr, dass eines Tages der Lesestoff ausgehen könnte…

Vor einigen Tagen habe ich über Dan Shockers Larry Brent geschrieben. Die Serie war durch mein Raster gefallen, was ich jetzt Stück für Stück nachhole. Eine andere Serie, die das gleiche Schicksal teilt, ist Dr. Morton. Hier kann ich jedoch mildernde Umstände beantragen, denn die Heftromane erschienen bereits in den Siebzigern und da war ich noch etwas sehr jung.

In den letzten Jahren bin ich aber immer wieder über das Doktorchen gestolpert, was der effektiven Vermarkung der Romantruhe zu verdanken ist, die die Hefte des Erber + Luther Verlags als ungekürzte Neuauflage herausbringt. Vor einiger Zeit habe ich mir Band 1 „Blaues Blut: Dr. Mortons Unheimliches Experiment“ zugelegt und auf den berüchtigten „Stapel der ungelesenen Bücher“ gelegt.

Jetzt habe ich mir Dr. Mortons erstes „Abenteuer“ zur Brust genommen und bin ehrlich gesagt ziemlich irritiert. Dem Text merkt man seine Entstehungszeit in den 1970ern an, aber das hat mich nicht gestört. Insgesamt ist Band 1 stilistisch wenig anspruchsvoll, aber sehr flüssig geschrieben. Personen- oder Ortsbeschreibungen sucht man größtenteils vergeblich, was aber durch die Erzählperspektive des auktorialen Erzählers ausgeglichen wird. Zusätzlich ist das Tempo sehr hoch und zieht den Leser in die Geschichte.

Mir war vor dem Lesen klar, dass Dr. Morton nicht irgendeine Serie war, sondern besonders durch krasse Themen und entsprechende Maßnahmen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften Bekanntheit und hohe Auflagenzahlen erlangen konnte. Soweit so gut.

Ich mag ambivalente Figuren und Antihelden: Egal ob Jim Profit aus der gleichnamigen Fernsehserie, Pat Bateman aus Bret Easton Ellis American Psycho, oder der gute Dexter. Trevor aus GTA V habe ich ebenfalls geliebt. Soweit war bei mir wohl auch der Boden für diese spezielle Serie geebnet worden. Was mich beim Doktor erwartete, hat mich dann aber doch ehrlich überrascht.

In Band 1 ist der gute Doktor Morton nichts anderes als ein lupenreiner Psychopath, der von seinem eher noch wesentlich psychopathischeren Helfer William Grimsby unterstützt wird. Letzterer hat keine Probleme, eine (mit Sicherheit nicht volljährige) Schülerin mit Zigaretten und Alkohol zuerst zu verführen und dann einen Abgrund herunterstoßen. Am Ende bedauert es Grimsby sogar, dass die junge Frau im Fallen nicht von einem nadelspitzen Felsen aufgespießt wurde.

Das ist hart. In einer anderen Rezension in den Weiten des WWW habe ich eine ähnlich entsetzte Reaktion des Rezensenten gelesen, wie sie sich auch bei mir eingestellt hat. Aber ist das eigentlich gerechtfertigt? Was darf ein Autor und was darf Kunst? Wo sind die Grenzen und wer definiert sie?


Ich habe für mich selbst eine Antwort gefunden, die ich hier nicht verschweigen möchte. Die oben beschriebene Tat mag auf manche Lehrer ebenso verstörend wirken, wie auf mich. Natürlich soll diese Szene Aufmerksamkeit erzeugen, was ihr zweifelsfrei gelungen ist. Als Autor beschäftigt mich aber eine andere Frage: Ist der sadistische Gewaltakt Selbstzweck, oder dient er einem anderen Ziel? Hinsichtlich von Band 1 muss ich ganz klar sagen: Grimsbys Tat dient nicht der Handlung, aber sie charakterisiert Mortons Helfer und ist deshalb nicht nur billige Effekthascherei. Ich weiß nun, dass Grimsby ein massiv gestörter Psychopath ist, der selbst eherne Tabus bricht. Außerdem wird dem Leser mitgeteilt, dass Dr. Morton ebenfalls über diese Neigung Bescheid weiß und nichts dagegen unternimmt. Somit heißt der Protagonist der Serie diese Taten letztlich sogar gut, was seiner Charakterisierung dient. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich die Serie noch entwickelt.

Von tiefstem Herzen bin ich ein Kind des Pulps. Vielleicht waren es die Filme, die ich viel zu früh gesehen habe, oder aber die Bücher und Heftromane. Unter Umständen bin ich aber auch einfach viel zu heiß gebadet worden. Jedenfalls macht es mir persönlich wenig aus, dass die beiden Hauptfiguren alles andere als „Helden“ sind. Ich finde es sogar spannend, dass genretypische Gut-Böse-Schemata so richtig auf den Kopf gestellt werden. Ob ich diese Romanserie meinem Sohn zu lesen geben würde? Klares Nein!

Was gibt es noch zu Band 1 zu sagen? Die Rahmenstory ist einfach konstruiert und hätte durchaus etwas ausgefeilter sein können: Dr. Morton will Kunstblut entwickeln, um der Menschheit einen Dienst damit zu erweisen. Dazu kommt ihm jemand „der andere Menschen um ihre Ersparnisse betrogen hat“ als unfreiwilliger Proband gerade recht. Als eine seiner Patientinnen durch einen Zufall mit dem Probanden in Kontakt kommt, verfügt das Doktorchen jetzt eben über zwei Versuchspersonen. Eine weitere junge Frau wird samt ihrer Tante von Grimsby „vorsichtshalber“ zum Schweigen gebracht. Der böse Proband stirbt am Ende des Romans, nachdem sich Morton auch noch dessen Vermögen unter den Nagel gerissen hat.

Es taucht auch ein Inspector vom Yard auf, der aber augenscheinlich erstmal keine Verdachtsmomente bei Glenn Morton sieht. Ich vermute aber, dass sich dies im Verlauf der Handlung noch ändern könnte.

Wie schon gesagt, klassifiziere ich Dr. Morton eindeutig als Pulp. Romane gehören nach meiner Definition eindeutig zur Kunst und diese darf meiner Definition nicht durch subjektive Urteile eingeschränkt werden. Wer diese Art Literatur nicht mag, muss sie ja nicht lesen. Ich mag z.B. keine Horrorfilme, aber das ist eine persönliche Präferenz. Die Serie hat für mich einen (morbiden) Charme, der mir durchaus gefällt Deshalb werde ich weiterlesen!

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Mein “erstes Mal” mit Larry Brent

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Copyright: Russel & Brandon

Larry Brent: Die PSA-Akten Teil 1: Die Rückkehr

Jetzt ist es endlich soweit, ich hatte jetzt auch endlich „Kontakt“. Als bekennender Pulpist habe ich meine später Kindheit und Jugend ziemlich viel im „Universum der Hefte“ verbracht. Dabei sind mir natürlich immer mal wieder Dan Shockers aka Jürgen Grasmücks Romane begegnet (ich meine mich an ein paar Dämonenland-Bände zu erinnern), aber aus irgendwelchen Gründen habe ich diese nicht gelesen.

Dieses Versäumnis wollte ich schon einige Zeit nachholen. Da ich auch großer Hörspielfan bin, kam mir Larry Brent von der Russel & Brandon Company gerade recht.

Erwartungsvoll legte ich die CD ein und erlebte den ersten Teil eines temporeichen Zweiteilers. Ich war ziemlich überrascht, denn das Larry Brent-Universum war schon sehr konkret ausgestaltet, was durch zusammenfassenden Metatext mitgeteilt wurde. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass „Die Rückkehr“ sich nicht auf Larry Brent Band 1 stützt, sondern auf Band 110 „Zombies im Orientexpress“. Insgesamt gibt es 213 originale Abenteuer von Dan Shocker und weitere, von Kollegen verfasste Bände. Der Grund für den Start bei Band 110 könnten urheberrechtlichen Umständen sein, aber das soll uns hier mal nicht weiter interessieren.

Im Abspann des Abenteuers bezeichnet die Russel & Brandon Company ihre Hörspiele als „Kino für die Ohren“ und genau das würde ich auch attestieren. Bereits in Folge 1 wird ein wahres Feuerwerk an tollen Sounds und Musik abgebrannt, was mich wirklich begeistert hat. Ergänzt wird das Ganze dann durch bekannte und sehr talentierte Stimmen, was in der Kombination mit der hochwertigen Produktion sicherlich auch eine Art Benchmarking in diesem Bereich ist.

Wo viel Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Diesen sehe ich in dem späten Einstieg der Serie (was aber durch die erzählenden Passagen ausgeglichen wird). Trotzdem merkt man dem Abenteuer an, dass es eben kein „Einstieg“ in die Welt von Lary Brent ist, sondern „mittendrin“ beginnt. Der positive Aspekt davon ist aber, dass sich Kenner der Serie sofort wohlfühlen und keinesfalls durch langweilige Zusammenfassungen ausgebremst werden. Trotzdem habe ich als Einsteiger meinen Spaß gehabt, verfing mich aber in Detailfragen (Z.B. Wie geht das jetzt mit dem Laser genau? Ist das eine Pistole, oder ist die Waffe  in den Ring der Agenten integriert?) Ich verfange mich eben gerne in Detailfragen, vielleicht wird das aber auch in Teil 2 geklärt werden.  Von daher:  Nur ein Mini-Minuspunkt!

Neben den bereits genannten Pluspunkten muss ich auch das Tempo des Hörspiels loben – behäbig ist anders. Larry Brent von Russel & Brandon muss sich keineswegs hinter den Audioversionen von Dorian Hunter und John Sinclair verstecken!

Kurz und Gut: Ich finde Folge 1 ist ein fulminanter Start in die Larry Brent-Serie und hat mich wirklich neugierig gemacht. Modernes Storytelling mit super Effekten, tollen Sprechern und viel Spannung!

Ob ich weiterhören werde? Na logen…

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Über mich

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Am 25.06.1978 wurde ich in Siegburg geboren. Ich bin also ein Sonntagskind und auf den Tag meiner Geburt fand auch noch das Finale der Fußballweltmeisterschaft statt. Trotz dieses Umstands und der Tatsache, dass ich in einer ziemlich fußballverrückten Familie aufwuchs, konnte ich niemals irgendeinen Zugang zu diser Sportart finden.

Wenn ich mir Sport im TV ansehe, dann ist das ausschließlich die Formel 1. Seit den ersten Rennen von Michael Schumacher bin ich davon besessen und schaue mir wirklich jedes Rennen an.

*Wird fortgesetzt…*

Rocky Beach: Justus, Peter und Bob sind erwachsen geworden

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Ich bin ja bekennender Hörspielfreund und das bedeutete in meiner Kindheit vor allem Jan Tenner, aber auch die Drei ???. Die Serien begleiten mich auch heute noch, ich möchte sie nicht mehr missen, in meinen Augen sind sie absoluter Kult.

Copyright: Kosmos

Ich bin ja bekennender Hörspielfreund und das bedeutete in meiner Kindheit vor allem Jan Tenner, aber auch die Drei ???. Die Serien begleiten mich auch heute noch, ich möchte sie nicht mehr missen, in meinen Augen sind sie absoluter Kult.

Vor einigen Monaten habe ich erfahren, dass es mit Rocky Beach auch eine Graphic Novel der Drei ??? gibt.Da ich auch mit Comics etwas anfangen kann, musste ich mir diese Adaption natürlich ansehen. Der Clou an der Sache: Es ist nicht „nur“ ein Comic aus dem Kosmos der Drei ???, sondern auch ein Gedankenexperiment: Wie wären Justus, Peter und Bob als Erwachsene?

Rocky Beach trägt als Untertitel „Eine Interpretation“, was ich sehr erfreulich fand. Auf diese Weise wird verhindert, dass durch Rocky Beach eine verpflichtende Vorstellung der drei Detektive beim Leser entsteht. Deshalb konnte ich den Band auch wesentlich besser lesen, denn es ist ja nur eine Variante dessen, was möglich ist. Hätte, wäre, wenn… Ihr wisst schon.

Schon das Cover vermittelt deutlich, dass in der Graphic Novel nicht alles eitler Sonnenschein und bestimmt keine heile Welt sein wird und will. Das bleibt auch während der ganzen Geschichte so, die gänzlich in SW gehalten ist. Die Zeichnerin Hanna Wenzel hat einen ganz eigenen Stil, der fast schon anfassbar plastisch wirkt und mir ziemlich gut gefallen hat.

Der Autor Christoph Tauber zeichnet das Bild eines düsteren Rocky Beach, dass somit zusammen mit den Protagonisten erwachsen geworden ist. Die Stadt hat massive Probleme und definitiv auch eines mit der Polizei. Die Story beginnt mit dem Verschwinden eines afroamerikanischen Bürgerrechtlers und gewinnt somit eine Aktualität, dass sie durchaus auch in der Realität ihren Platz finden könnte.

Der Autor entwickelt eine Hard Boiled-Story, in der es letztlich nur Verlierer gibt. Mir gefällt so etwas durchaus, aber der Kulturshock zwischen den Drei ??? und Rock Beach ist fast schon zu krass. Leider muss ich sagen, dass (auch deshalb) die Story vielleicht der größte Verlierer ist. Letztlich gibt es nämlich am Ende nicht die ersehnte finale Auflösung, die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet. Schade, aber auch nicht völlig fremd im Film Noir. In diesem speziellen Fall finde ich es jedoch etwas ärgerlich, da in den 186 Seiten sicherlich Raum für ein runderes Ende gewesen wäre.
Trotzdem bewerte ich Rocky Beach definitiv mit einem „gut“. Es gibt Anspielungen auf den Serienkosmos, die Geschichte ist spannend und der Autor kennt die Figuren sehr genau. Trotzdem ist seine Interpretation von Justus, Peter und Bob nicht meine. Das muss sie aber auch gar nicht sein, denn Rocky Beach ist nur eine Variante. Meine drei Detektive wären anders als Erwachsene (wie auch Rocky Beach selbst), besonders auch Justus. Vielleicht ist aber auch dieser Bruch mit der Erwartung des Lesers ein dramaturgischer Kniff? Wie auch immer, Rocky Beach hat für mich funktioniert und war unterhaltsam. Das Setting hat für mich am Ende des Tages nicht funktioniert: Drei ??? und Hardboiled / Film Noir passen für mich leider nicht zusammen.