Irgendwann kommt unvermeidlich der Punkt, an dem Du weißt, was vor zwanzig Jahren gewesen ist und wer Du gewesen bist. Das funktioniert bei einigen schon ab dreißig, bei den meisten anderen erst ab vierzig. Ab jetzt ist nichts mehr, wie es vorher war.
Du hörst jetzt das Ticken oder auch das Rieseln. Zeit war immer schon real, jetzt wird sie unausweichlich. Das Bild der Sanduhr drängt sich auf, immer mehr Sand rieselt von oben nach unten. Dabei gibt es natürlich eine zusätzliche Gemeinheit, denn die obere Kugel der Sanduhr besteht nicht aus durchsichtigem Glas, sondern ist völlig intransparent. Wir können also nur feststellen, dass Sand von oben nach unten rieselt – wie viel uns davon bleibt, wissen wir nicht – solange der Sand fällt, leben wir noch.
Dramatisch? Ja und nein. Fast jeder hat auch schon jüngere Menschen sterben sehen: Unfälle, Krankheiten und manchmal durch Verbrechen. Am Ende spielt es keine Rolle, was die Ursache ist. Vorbei ist eben vorbei.
Ist das ein Grund, um in Panik zu verfallen? Mitnichten. Panik ist völlig kontraproduktiv, erhöht sie doch die Wahrscheinlichkeit für ein frühes Ableben.
Und doch stellt sich irgendwann ein Druck ein. Als Jugendliche und junge Erwachsene leben wir in einem zeitlosen Zwischenstadium und wollen nur möglichst rasch nach vorne preschen: Eigenes Geld, eigene Wohnung, eigenes Leben.
Und dann fängt die Uhr an zu ticken und Du realisierst, dass Du eine Vergangenheit hast. Gleichzeitig realisierst Du die Gegenwart und dass es eine mögliche Zukunft gibt.
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